Der Nordstrander Pharisäer

dsci0213 Es war vor über 100 Jahren, etwa in der Zeit zwischen 1865 bis 1874, da fand, wie Überlieferungen berichten und Nachforschungen beweisen, in einem ansehnlichen Bauernhause der Insel eine Kindstaufe statt. Nachdem von dem Pastor nun die Amtshandlung vollzogen war, nahmen die geladenen Gäste und auch der Pastor an der Kaffeetafel teil. Da es dann auch ganz gemütlich und nett zuging, verblieb dieser dann auch etwas länger. Wie es nun immer wieder nur Kaffee gab, wollte der Bauer seine Gäste alsbald gerne mit einem anderen Getränk mit etwas mehr anregenderer Wirkung bewirten. Da es sich damals aber nicht geziemte, in der Gegenwart des Pastors schärfere Getränke verabreichen zu lassen, meisterte der Gastgeber trotzdem die Situation. Er ging in die Küche und verständigte sich mit der Mamsell, daß die Kaffeetassen nicht mehr ganz so voll gemacht und dafür etwas zwei bis drei Stück Zucker und ein großer Eierbecher Rum hineingetan werden sollte. Alsdann müsse, damit der Rum nicht zu riechen sei, eine gute Rahmschicht, in der Küche gleich fertig gemacht, obenauf liegen. Der Gastgeber machte dann auch gleich darauf aufmerksam, daß die Tasse für den Pastor aber keinen Rumzusatz haben dürfte.

Das ging dann einige Male gut, wie es besprochen war, jedoch wurde die allgemeine Unterhaltung auffällig etwas angeregter und lebhafter. Das Unglück wollte es nun, daß in der Bedienung ein Fehler gemacht wurde, indem die Tassen versehentlich verwechselt wurden, so daß der Pastor den Kaffee mit dem Rumzusatz bekam. Der kostete, erkannte dann auch sofort die Zusammenhänge, blickte in die Runde und sagte schmunzelnd:“So, nun weiß ich aber Bescheid, Ihr Pharisäer.“

Nach diesem Vorkommnis wurde der Kaffeepunsch mit der oberaufliegenden Rahmschicht sowohl in Privathäusern wie auch in der Butter-Koogwirtschaft öfters „probiert“ und ist nicht nur zum Nationalgetränk Nordstrands geworden, sondern hat Einzug und Beliebtheit in unserer ganzen nordfriesischen Heimat gefunden. (Nordstander Töpferei)

4 Kommentare zu „Der Nordstrander Pharisäer

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